27.08.2026
Was passiert mit Online-Konten nach dem Tod?
E-Mails, Social Media, Online-Banking, Streaming-Dienste, Cloud-Speicher: Unser Leben findet zunehmend digital statt. Doch was geschieht mit all diesen Daten und Konten, wenn wir nicht mehr da sind? Der digitale Nachlass ist ein Thema, das viele verdrängen, das aber immer wichtiger wird. Dabei ist es für Angehörige oft eine große Herausforderung, sich im Todesfall um die digitalen Spuren eines geliebten Menschen zu kümmern.
Was gehört zum digitalen Nachlass?
Der digitale Nachlass umfasst alle Daten, Konten und Verträge, die online existieren. Dazu gehören:
• Social-Media-Profile
• E-Mail-Konten und Messenger-Dienste
• Online-Banking und Finanzdienste
• Cloud-Speicher mit Fotos, Dokumenten und Erinnerungen
• Abonnements und Mitgliedschaften
• Websites, Blogs und Domain-Registrierungen
All diese digitalen Spuren verschwinden nicht automatisch mit dem Tod. Gespeicherte Daten bleiben erst einmal bestehen. Das kann zu finanziellen Fragen führen, weil Dienste unter Umständen weiterlaufende Kosten verursachen. Oftmals gewähren diese Daten aber auch Einblicke in das Seelenleben des Verstorbenen und sind somit wichtige – vielleicht auch schmerzhafte – Erinnerungen für Angehörige.
Digitale Daten werden vererbt
Rechtlich ist die Lage in Deutschland klar: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat bereits 2018 entschieden, dass digitale Daten zum Erbe gehören. Das bedeutet: Erben haben grundsätzlich das Recht auf Zugriff auf alle Online-Konten und Daten des Verstorbenen – genau wie auf ein altes Tagebuch oder Briefe. Seitdem wurde die Position von Erben konsequent gestärkt. Sie haben das Recht auf echte Handhabung des Kontos und nicht nur Datenkopien.
Allerdings ist der praktische Zugang oft kompliziert. Jeder Anbieter hat eigene Richtlinien und Anforderungen. Die einschlägigen Plattformen verlangen in der Regel:
• eine Sterbeurkunde
• einen Identitätsnachweis der Angehörigen
• einen Erbschein oder eine Vollmacht
• manchmal auch gerichtliche Verfügungen
Ohne diese Nachweise ist der Zugriff nahezu unmöglich, selbst wenn Angehörige die Passwörter kennen würden.
Was können Angehörige im Todesfall tun?
Der Umgang mit den Online-Konten eines Verstorbenen ist emotional belastend. Angehörige stehen vor schwierigen Fragen: Soll das Profil gelöscht werden? Kann es als digitale Gedenkstätte weiterbestehen? Was ist mit wichtigen Dokumenten in der Cloud?
Hier einige praktische Schritte:
1. Überblick: Welche Konten und Abos existieren? Gibt es eine Liste mit Zugangsdaten?
2. Kontakt: Informieren Sie Plattformen über den Todesfall und klären Sie die Optionen (Löschung, Gedenkzustand, Datenarchivierung).
3.Datensicherung: Laden Sie Fotos, Dokumente und andere Erinnerungen herunter, bevor Konten gelöscht werden.
4. Kündigung: Abonnements laufen oft automatisch weiter und verursachen unnötige Kosten.
5. Privatsphäre: Auch Verstorbene haben ein Recht auf Privatsphäre. Überlegen Sie gemeinsam, was öffentlich bleiben soll.
Einige Anbieter bieten spezielle Funktionen an: etwa einen Gedenkzustand, einen Kontoinaktivitäts-Manager oder einen digitalen Nachlasskontakt.
Digitale Vorsorge: zu Lebzeiten handeln
Die beste Unterstützung für Ihre Angehörigen ist es, frühzeitig vorzusorgen. Das erfordert keine intensive Beschäftigung mit dem eigenen Tod. Es ist mehr eine Art Ordnung halten.
• Sicherung einer Liste mit wichtigen Online-Konten, Zugangsdaten und Passwörtern in einem sicheren Passwort-Manager oder Notfallordner.
• Benennung einer Vertrauensperson, die im Todesfall Zugriff auf Ihre digitalen Daten erhalten soll.
• Verfassen einer digitalen Verfügung, in der Sie schriftlich festhalten, was mit Ihren Profilen, Daten und Konten geschehen soll.
• Datensicherung wichtiger Erinnerungen auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte
• Informieren von Angehörigen, was Ihre Wünsche bzgl. Ihrer digitalen Daten sind.
Digitale Vorsorge gehört heute genauso zur Bestattungsvorsorge wie die Entscheidung für eine Bestattungsart oder die Auswahl einer Grabstätte. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und den Menschen, die bleiben, eine schwere Last zu nehmen.
Sie haben Fragen hierzu? Wir unterstützen Sie sehr gerne – einfühlsam und unverbindlich.
Ihre Pietät Sturm