05.11.2025


Warum der November ein Trauermonat ist?

Noch haben wir den Anblick von bunten Blättern im Sinn. Kinder jagen durch Laubhaufen und bei Spaziergängen streichelt die Sonne mit milden Strahlen Körper und Geist. Dann ist plötzlich November. Regnerisch, trist und prädestiniert dafür, auf die Stimmung zu schlagen: Der November gilt als Trauermonat. Aber warum genau? 

 

Besondere Tage im Kalender

Da sind zum einen die Feiertage im Kalender. Katholische Christen feiern Allerheiligen und Allerseelen – Tage, an denen sie der Heiligen und aller Verstorbenen gedenken, die auferstanden sind. Die Protestanten übernehmen diesen Gedanken im Totensonntag, den der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1816 für die Gefallenen der Befreiungskriege gegen Napoleon einführte. Heute ist es ein hoher protestantischer Feiertag. Der weltliche Volkstrauertag rückt die Opfer der Weltkriege und des Nationalsozialismus in den Fokus und ruft zu Frieden und Versöhnung in der Welt auf. 

 

Der “Novemberblues” – Zeit zum Reflektieren 

Auch ohne bestimmte Daten oder religiöse Bezüge kommen wir automatisch ins Grübeln. Allein die sich ändernde Natur, kürzer werdende Tage und graues Wetter führen bei vielen Menschen zur Reflexion über Vergänglichkeit – auch der eigenen. Außerdem wachsen wir in einer Kultur auf, die den November mit Gedenken verknüpft. Das vermittelt eine Art kollektive Nachdenklichkeit. Zudem spüren viele Menschen Verluste stärker, weil Sommerwetter und Außenaktivitäten zur Ablenkung weggefallen sind. Für viele ist der November auch eine Zeit der inneren Einkehr, mit Rückblick auf das Jahr und eben auch verstorbene Menschen.  

 

Trost als Gegenentwurf  

Das hört sich fast schon deprimierend an. Ist es aber eigentlich nicht. Denn der November dient nicht nur dem Gedenken im Sinne von Trauer. Diese zu akzeptieren und zu bewältigen ist notwendig. Das kann heißen, traurig zu sein. Immerhin vermisst man jemanden. Es geht aber auch um Trost und Erinnerung: an liebe Menschen, Begebenheiten und gemeinsame Orte.  

 

Rituale, die den November prägen 

Daher haben sich viele große und kleine Rituale verfestigt: Gläubige versammeln sich im November auf Friedhöfen, um Gräber mit Gestecken zu schmücken und zu beten. An Denkmälern werden Kränze niedergelegt. Viele Menschen zünden Kerzen an, betrachten Fotos oder schreiben einen Brief an einen Toten. Die liebevolle Pflege von Gräbern kann ein Zeichen sein. Oftmals treffen sich Menschen mit anderen, zu einem gemeinsamen Essen, bei dem Geschichten über den Verstorbenen erzählt werden. 

 

Zeit für Denkanstöße 

Um eines Verstorbenen zu gedenken, braucht es keinen Anlass. Genau wie Trauer keinem Fahrplan folgt. Dennoch kann der November Denkanstöße geben, weil der Monat einen gefühligen Rahmen bietet, sich mit Erinnerungen und der eigenen Sterblichkeit zu beschäftigen. Ganz traditionell, in der Gemeinschaft oder mit eigenen Ritualen.  

 

Ihre Pietät Sturm